Diese Trends im E-Commerce sind für Unternehmen wichtig.

E-Commerce ist der Gewinner der Pandemie und markiert eindrücklich die Zukunft: Unternehmen müssen digital aufgestellt sein, um sich den stetig verändernden Bedürfnissen ihrer bestehenden und potenziellen Kunden anzupassen und damit zukunftsfähig zu bleiben.

«Mancher Verwaltungsrat, manche Geschäftsleitung muss sich nun Versäumnisse in den letzten Jahren eingestehen» – das ist das Résumé des Commerce Reports, einer qualitativen Langzeitstudie, die 2021 von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag von Datatrans durchgeführt wurde und die Entwicklung des E-Commerce aus Sicht der Schweizer Anbieter beleuchtet.

Pandemie als Turbotreiber.

Corona hat in den letzten 1,5 Jahren unser Leben geprägt und unsere Gewohnheiten verändert. Schweizer haben mehr Zeit zu Hause verbracht und im Lockdown auch ihr Kaufverhalten angepasst. Corona hat das Online-Shopping regelrecht geboostet, der Online-Einkauf ist explodiert. Profitiert haben insbesondere die etablierten Online-Anbieter: Bei ihnen wirkte Corona wie ein Turbotreiber und hatte eine enorme Menge an zusätzlichen Bestellungen zur Folge. Insgesamt wuchs der Schweizer Online-Handel 2020 auf CHF 13,1 Milliarden an – dies entspricht einer Steigerung von rund 27,2 % gegenüber dem Vorjahr.

Während sich zwischen 2010 und 2018 der Umsatzanteil ausländischer Online-Shops am gesamten Schweizer Online- und Versand-Handel verdoppelt hat, bevorzugen Schweizerinnen und Schweizer seit der Pandemie einheimische Shops für ihre virtuellen Einkäufe. Dabei wurden 2020 rund CHF 11 Milliarden direkt bei Unternehmen in der Schweiz (mit ch.Domains) ausgegeben. An ausländische Anbieter gingen rund CHF 2,1 Milliarden aus Online-Käufen aus der Schweiz.[1]

Trend zum Wachstum hält an.

Online-Shopping boomt weiter: Auch im ersten Halbjahr 2021 verzeichneten Schweizer Online-Händler ein Wachstum von 15 % im Vergleich zum bereits hervorragenden Jahr 2020, wie die E-Commerce-Unternehmensberatung Carpathia schreibt. [2]Sport, Bekleidung, Heim- und Unterhaltungselektronik, Nahrungsmittel, aber auch Heim und Garten erfuhren eine regelrechte Sonderkonjunktur, auch das Kochen wurde neu entdeckt.

Der Online-Boost hat aber auch Schwachstellen offenbart, wie Carpathia weiter schreibt: «Die zuverlässige Erfüllung der Kernleistung, das Beherrschen der Logistik sowie die Stärkung des Kundendienstes waren Themen, derer sich die Unternehmen nach dem ersten Rush annahmen.» Wer bis anhin im Thema E-Commerce bereits fit war, konnte den Boost adaptieren, die neuen Herausforderungen recht gut meistern und der Nachfrage gerecht werden. Wer noch nicht E-Commerce-ready war, wurde eines Besseren belehrt und «konnte die sich bietenden Chancen nur teilweise oder nur mit hohem Kostenaufwand nutzen».

Hohe Kaufkraft für Unternehmen attraktiv.

Das aus einer misslichen Lage entstandene veränderte Kaufverhalten von Kunden hat sich zu einer Gewohnheit entwickelt. Das wiederum bietet Unternehmern grosse Chancen: Kein anderes Land der Welt hat eine so hohe Kaufkraft wie die Schweiz. Im internationalen Vergleich verdienen Schweizer am meisten Geld. Zudem erfreut sich der Schweizer Franken einer hohen Stabilität. In der Schweiz ist das Absatzpotenzial enorm, es werden mehr Verkäufe erzielt als in Deutschland oder Frankreich. Auch die digitalen Warenkörbe der Schweizer sind zuweilen um das Fünffache höher als die der Franzosen oder Deutschen, schreibt Asendia, der Blog der Schweizer Post. Hinzu kommen die Online-Präsenzzeiten: 91 % der Schweizer Bevölkerung nutzen das Internet mehrere Stunden pro Tag, rund die Hälfte dieser 91 % sind auch in sozialen Netzwerken aktiv. Zudem haben Konsumenten in der Zwischenzeit gelernt, nicht nur am PC zu Hause oder im Büro, sondern auch unterwegs auf mobilen Endgeräten wie Smartphone, Tablet oder Notebook einzukaufen. Dieser Effekt, so schreibt der «Commerce Report 2021» der FHNW, werde in Zukunft bestehen bleiben. Auch werden die Konsumenten bereits in naher Zukunft Produktinformationen online nachfragen und dort einkaufen, wo es ihnen gefällt oder wo es am günstigsten ist. Wo der Kunde aber letztlich einkauft, entscheiden Faktoren wie das digitale Erlebnis, die kanalübergreifende Darstellung der Inhalte und die Bedienerführung.

All diese Faktoren machen klar, wie gross das Potenzial für E-Commerce ist. Bernd Geisenberger, Leiter Firmenkunden und Mitglied der Geschäftsleitung Migros Bank, sagt: «Als Unternehmen muss man auf diesen Trend reagieren und auch online präsent und attraktiv sein. Zudem fördern mobile Endgeräte wie Smartphone und Tablet diesen Trend um ein Vielfaches. Online ist der neue Showroom.»

7 Vorteile von E-Commerce.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der ständigen Weiterentwicklung. Möchten Sie Ihren E-Commerce-Handel vorantreiben, anpassen oder neu ausrichten? Halten Sie sich dabei vor Augen, dass es keine All-in-one-Lösung gibt, die sich für alle Unternehmen eignet. Es geht vielmehr darum, eine genau auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtete Strategie zu finden und die passenden E-Commerce-Konzepte umzusetzen. E-Commerce hat folgende Vorteile:

  1. Reichweitensteigerung und Markenbekanntheit

    Durch die Implementierung eines Online-Shops ist Ihr Unternehmen jederzeit und überall erreichbar. Öffnungszeiten, Erreichbarkeit und räumliche Distanzen spielen keine Rolle mehr. Online ist der neue Showroom.

  2. Zielgruppen lassen sich genauer definieren

    Sie werden genau wissen, welche Kunden sich für Ihre Produkte oder Dienstleistungen interessieren und können ihnen die für sie passenden Produkte vorstellen.

  3. Kundeninformationen für eine informationsbasierte Kaufentscheidung jederzeit verfügbar

    Die Kunden können sich selbst ein Bild machen von den von ihnen favorisierten Produkten und sich nach dem Kauf darüber austauschen

  4. Betriebskosten senken

    Ein fertig eingerichteter Webshop hat nur geringe Fixkosten, und logistische Prozesse können teilweise oder vollständig automatisiert werden.

  5. Arbeitsplätze schaffen

    Ein direkter E-Commerce-Arbeitsplatz schafft 1,2 indirekte Arbeitsplätze in den Bereichen Logistik, Fulfillment und Zustellung. Ein direkter physischer Arbeitsplatz im Einzelhandel schafft dagegen nur 0,2 indirekte Arbeitsplätze.

  6. Bessere CO2-BIlanz als angenommen

    Der Non-Food-Offline-Handel verursacht im Durchschnittsszenario 1,5- bis 2,9-mal mehr CO2-Emissionen als der E-Commerce.
    [3]

  7. Online schafft Synergien

    Online-Verkäufe fördern auch das Geschäft des physischen Handels. Unabhängige physische Einzelhändler, die auch online verkaufen, verzeichnen mehr Wachstum als solche, die ausschliesslich offline verkaufen.[4]

Wer stehen bleibt, wird überholt: Deshalb ist E-Commerce längst keine Kür mehr, sondern Pflicht. Um erfolgreich zu sein und wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen und Betriebe ihre E-Commerce-Lösungen regelmässig evaluieren.

Bernd Geisenberger, Leiter Firmenkunden und
Mitglied der Geschäftsleitung Migros Bank

Ausblick und Trends

Wie sieht der E-Commerce der Zukunft aus? Dieser Frage sind mehrere Untersuchungen nachgegangen. Wir haben die wichtigsten Trends bis ins Jahr 2025 für Sie zusammengefasst:

Verkauf über Social Media (Social Shopping):Um die Markenbekanntheit zu fördern, haben sich manche Unternehmen bereits dem Influencer-Marketing mit benutzergenerierten Inhalten zugewandt. Einkaufen direkt auf einer Social-Media-Plattform oder durch Klicken auf einen Link einer Social-Plattform wie Facebook oder Instagram kann zur Produktseite eines Einzelhändlers führen und zu einer Kaufoption führen. Social Commerce über Influencer und Creators ist gemäss einer GlobalWebIndex-Umfrage von 2019 unter Internetnutzern in Grossbritannien und den USA ein wichtiger Aspekt. Es zeigte sich, dass Social-Media-Posts genauso viel Einfluss auf Einkäufe hatten wie die Newsfeed-Anzeigen oder -Stories.[5]

Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR): Virtual und Augmented Reality öffnen neue computergestützte Möglichkeiten im E-Commerce. Die Begriffe Virtual Reality und Augmented Reality werden oft synonym verwendet. Bei VR liegt der Fokus allerdings darauf, für den Nutzer eine neue, nur eben virtuelle Umgebung zu erschaffen. Bereits seit ein paar Jahren nutzen Händler verschiedene AR- und VR-Anwendungen in ihren Shops. Gemäss einer Studie von Capgemini wird bereits im Jahr 2023 der Einsatz von AR und VR in Unternehmen zum Standard gehören.[6]

Manche Unternehmen, z. B. die Handelsplattform Alibaba, nutzen VR-Technologie so, dass Nutzerinnen und Nutzer virtuell durch die Stores gehen können, ganz wie in einem realen Geschäft. Das schwedische Möbelhaus Ikea beispielsweise nutzt diese Technologie bereits in einem virtuellen Showroom, in welchem Kundinnen und Kunden Möbel in Echtzeit konfigurieren können.

Mittels Augmented Reality (AR) können Verbraucher bei Möbelhändlern wie Micasa über die Smartphone-Kamera Möbelstücke virtuell in die eigene Stube projizieren und so die Wirkung testen. Bei Ikea können Kundinnen und Kunden die Produkte des Möbelhauses mittels einer App in der eigenen Wohnung ausmessen und platzieren.

Machine Learning und künstliche Intelligenz:
Das Netflix-Prinzip: Dank Machine Learning sind Online-Shops in der Lage, den potenziellen Käufern anhand der vorhandenen Daten und des Einkaufsverhaltens ein besseres Benutzererlebnis zu bieten. Es sind die Registerkarten «Empfehlungen» oder «Vorschläge für Sie», die Sie heute schon auf zahlreichen Internetseiten finden können. Anhand von früher gekauften, angeschauten oder ergänzend zum ausgewählten Artikel von anderen Kunden gekauften Produkten werden weitere Artikel vorgeschlagen.

Omnichannel: Der nahtlose Übergang zwischen stationärem Einkauf und Online-Shop wird gewährleistet, indem Kunden nach dem ROPO-Prinzip (ROPO=Research Online Purchase Offline) einkaufen: Sie erkundigen sich online über ein Produkt, bevor sie es dann im stationären Handel kaufen.

Sprachbasiertes Einkaufen: Einkaufen mit Alexa oder einem anderen virtuellen Sprachassistenten. Sprachbasierte Suchanfragen wiederum generieren mehr Traffic im Online-Shop.

Die richtige Entscheidung begleiten.

Der US-Marketing-Guru und ehemalige Chefredaktor von Shopify, Aaron Orendorff, sagt, dass das Coronavirus im amerikanischen E-Commerce in nur 6 Monaten ein Wachstum bewirkt hat, das normalerweise in 5 Jahren erzielt wird.

Der Offline-Handel wird auch in 10 Jahren noch mindestens zwei Drittel des Einzelhandelsumsatzes ausmachen – bei einer Annahme von Wachstumsraten zwischen 10 und 15 %. Die Unterschiede zwischen Online- und Offline-Handel sowie zwischen Dienstleistungen und Waren werden zunehmend verschwimmen, während das Omnichannel-Shopping zunimmt und neue Formen annimmt, z. B. Social Commerce. Grosse und kleine Einzelhändler kommen demnach nicht darum herum, hier investieren zu müssen, um sich anzupassen.

Nie war der Zeitpunkt, sich für E-Commerce zu entscheiden, besser. Schliesslich haben sich die Umsätze des Schweizer Online-Handels mit Konsumgütern verdreifacht ; der Handel geht damit als Sieger aus der Krise hervor. Für viele Unternehmen bedeutet dies, dass noch mehr in den E-Commerce investiert wird. Solche Investitionen sind oft sehr kapitalintensiv, zumal die Lage wegen der Pandemie noch bei vielen Betrieben angespannt ist. Investitionen müssen daher strategisch getätigt und die verschiedenen Szenarien im Gesamtkontext betrachtet werden.

Die Migros Bank steht Ihnen kompetent und verlässlich zur Seite. Wir beraten Sie bei Ihrer Investitionsentscheidung und finden gemeinsam die passende Lösung für Ihr Unternehmen. Mit unserem eigenen KMU-Business-Plan-Tool simulieren wir verschiedene Szenarien und erstellen Real-Time-Stresstests.

Zwei Männer während Beratungsgespräch sinnbildlich für Beratung der Migros Bank bei Fragen zu Strukturierte Finanzierung

Erfolgreiche Weiterentwicklung Ihres Unternehmens

Mit über 75 Firmenkundenbetreuern in der ganzen Schweiz sind wir der starke Partner für Unternehmen. Im Jahr 1958 vom Unternehmer Gottlieb Duttweiler gegründet, verfolgen wir auch 63 Jahre später noch die gleichen Visionen und Ideen. Wir stellen uns in den Dienst der Unternehmerinnen und Unternehmern und unterstützen sie bei der Verwirklichung ihrer Ideen. Im Jahr 2021 wurden wir von Unternehmerinnen und Unternehmern hierfür zur beliebtesten Bank für Geschäftskunden gewählt.

Sprechen auch Sie mit uns über Ihre Ideen.

References

References
1 statista.com
2 datarans.ch
3 Oliver Wyman: Ist E-Commerce gut für Europa? Eine Studie von Logistics Advisory Experts, einem Spin-off des Instituts für Logistik und Supply Chain Management der Universität St. Gallen https://www.oliverwyman.de/our-expertise/insights/2021/apr/ist-e-commerce-gut-fuer-europa.html
4 Oliver Wyman, ebd.
5 giwi.com (Registrierung für Downloiad erforderlich)
6 e-commerce-magazin.de